Dark | Bright
Deutschland peinlich Vaterland
Benutzerbewertung: / 0
SchwachPerfekt 
Geschrieben von: b0zen   
Montag, den 26. Januar 2009 um 23:40 Uhr
Freitag priesen die Verkäufer bei Hekticket am Ku'damm das Stück "Deutschland peinlich Vaterland" im Kabarett Charly M. an. Erfreulicher Weise war das Charly M. nah gelegen, um genau zu sein in der Karl-Marx-Allee 133, sodass ich mich auf eine U-Bahn-Fahrt freute. Zunächst muss man aufpassen, dass man nicht aus Versehen ins "Kosmos" aka die "Event Location" geht, sondern Ausschau nach dem Charly M. Logo an den Häusern hält. Wenn man das Kabarett betritt, landet man unweigerlich an der Bar, das ist natürlich sympathisch. Dennoch will sich der ein oder andere vielleicht erst kurz umschauen...
An den Raum der Bar grenzt direkt der Vorraum des Geschens - die Kleiderannahme. Hier zeigt man die Tickets und gibt die Garderobe ab. Das kostet nichts und es gibt keine Bügelmarken. Man ist unter sich, es herrscht eine familiäre Stimmung. Nach der Jackenabgabe geht es also zurück zur Bar: "Ein Bier Bier und einen Wein bitte" ... "Danke".

Spätestens beim Genuss des ersten Getränks fällt langsam auf, dass man mit 25-30 Jahren hier wohl offenbar zu den Jüngsten gehört. Guckt man sich noch ein wenig um, fallen die politikkritischen und gleichermaßen sehr guten Zeichnungen an den Wänden auf. Insgesamt ergibt sich ein linksalteralternatives Gesamtbild. Das ist in Anbetracht des Charly M. Logos allerdings nicht weiter verwunderlich. Das Publikum scheint nicht nur insgesamt älteren Semesters zu sein, sondern teilweise auch aus den anliegenden Altersheimen gekommen zu sein. Langsam betreten alle den Raum mit der Bühne und trotz früher Ankunftszeit meinerseits lagen schon die ersten Schals quer über 5 Sitze.

Das Stück beginnt. Drei Damen betreten die Bühne. Und die Scherze sind gut. Sie sind gesellschaftskritisch, wirtschaftskritisch, politikkritisch - und sie sind lustig.
Die Abwechselung zwischen Dialogen, Monologen und Liedern ist gut ausbalanciert und lässt keine Langeweile aufkommen. Lediglich einige wenige Teile der Show sind manchem älteren Herren zuviel, sodass es schon einmal in der ersten Reihe zu einem "Ich halte das nicht mehr aus" kommt und ein Herr von etwa 87 Jahren den Raum verläßt. Auch die Russin vor mir (vielleicht kam sie auch woanders her), schien nicht viel Spass zu haben. '

Die Zielgruppe für dieses Stück sollte meiner Meinung nach in der Tat die Gruppe der 25-55 jährigen Berliner bilden. Denn sowohl Zugereiste, Alte und Ausländer werden den Sinn hinter vielen Scherzen bzw. den eigentlichen Gesellschaftskritiken dahinter nicht verstehen.

Wem 12 Euro Eintritt nicht zu viel sind, der kann hier einen unterhaltsamen Abend verbringen - mit Freunden kann dieser auch entspannt bei einem Getränk danach an der Bar ausklingen.